2. Über die Unbestimmbarkeit des Raumes
Über die Unbestimmbarkeit des Raumes
Geographie, Politik, Sprache
von Frank Meyer
1. Über das Gerede über Raum
“Europe together can and must be the Europe of the culture of dialogue and integration – the Europe of the book, the Europe of coexistence – but also the Europe of the shield and the sword, the Europe of security.”(Franco Frattini, 2005)
Stellt euch vor euer Geist springt zwischen verschiedenen Zeitebenen hin und her. Euer Androide schließt auf ein Anti-Zeit-Paradoxon und erklärt euch, dass ihr in allen Zeitebenen an denselben Koordinaten einen Tachyon-Impuls erzeugt habt, durch die Konvergenz der Impulse die Subraumbarriere durchbracht und eine Anti-Zeit-Reaktion ausgelöst habt …genau, oder so.
Es steht in diesem Fall nicht das Leben im gesamten Universum auf dem Spiel, sondern nur eine Story für eine Star Trek-Episode. Technologische Ausdrücke bilden dabei ein Stilmittel, um komplexe und bedrohlich erscheinende Phänomene in die Geschichte einzubinden und durch eben jene Fremdwort-geschwängerte Sprache lösen zu können. Der Zuschauer weiß zwar nicht genau, was da passiert ist, aber es sah gut aus und war so richtig spannend! Das Wort für dieses Stilmittel ist Technobabble. Dieses lässt aufgrund der wichtig klingenden Ausdrücke eine wissenschaftliche Grundlage vermuten. Oftmals jedoch ist es völliger Unsinn.
Man mag sich jetzt fragen, was das Ganze mit Geographie zu tun hat: Technobabble ist ein Beispiel für die Nutzung leerer Begriffe. Betrachtet man diese Wörter näher, so muss man feststellen, dass ihr Zweck nicht primär die inhaltliche Beschreibung eines Problem ist, sondern die Herstellung einer komplexen, bedrohlich wirkenden Situation: Die Formulierungen sind letztlich leer. Nicht nur für Science Fiction-Fans sondern auch für Geographen ist dabei interessant, dass raumbezogene Begriffe ebenfalls sehr häufig wenig eindeutig genutzt werden: nennen wir dies kurzerhand Geobabble.
Die universitäre Disziplin der Geographie hat eine lange Tradition von Begriffen, die zwar oft genutzt, aber letztlich nicht gleich definiert werden. Denken wir an „Definitionen“ von Europa und Asien; denken wir an Begriffe wie Kultur, Ethnie und Rasse, mit denen Menschen durch Geographen kategorisiert werden und worden sind. Denken wir aber auch an Begriffe wie Freiheit und Gerechtigkeit, mit denen staatliche und nichtstaatliche Institutionen operieren, um ihren Einflussbereich und ihren Machtanspruch zu festigen. Andererseits werden sie jedoch auch von Protestbewegungen in Anschlag gebracht, um Herrschaft und Ungleichheit zu kritisieren. Der Zusammenhang von Sprache und dem Denken ist belegt, der Zusammenhang zwischen Sprache und territorialer Macht ist offensichtlich. Die Politik der Geographie besteht darin, „Welt“ zu unterteilen und Menschen zu kategorisieren.





