1. Europäische Berufsbildungspolitik zwischen Lissabon, Brügge und Kopenhagen
Europäische Berufsbildungspolitik zwischen Lissabon, Brügge und Kopenhagen
Der Europäische Qualifikationsrahmen und das European Credit System for Vocational Education and Training
Michael Fütterer
Seit einigen Jahren regt sich immer häufiger Widerstand von Studierenden, SchülerInnen und Auszubildenden gegen Veränderungen im Bildungssystem: Proteste gegen die Bologna-Reform an den Hochschulen, Verkürzung der Schulzeit, Selektion im Bildungs- und Ausbildungssytem und die Unterordnung von Bildung und Gesellschaft unter den Markt finden ihren Ausdruck in bundes- und europaweiten Bildungsstreiks sowie anderen Aktionen.
Obwohl die AkteurInnen versuchen, aktuelle Entwicklungen kritisch aufzugreifen, wird ein Thema kaum beachtet: die mit der Brügge-Erklärung und dem Kopenhagenprozess zusammenhängenden Veränderungen in der europäischen Berufsbildungspolitik. 2001 in Brügge und 2002 in Kopenhagen planten und verabredeten die für Berufsbildung zuständigen MinisterInnen auf europäischer Ebene Maßnahmen, um Berufsbildung in Europa zu reformieren. Angestrebte Ziele sind ein Punktesystem für die Bewertung von Qualifikationen, die bessere Anerkennung von nationalen Bildungsabschlüssen, die Anerkennung unterschiedlicher Lernformen und Qualitätssicherung. Zentrale Elemente sind dabei der Europäische Qualifikationsrahmen (EQR) und das etwas sperrig klingende European Credit System for Vocational Education and Training (ECVET). Sie stehen in engem Zusammenhang mit der Lissabon-Strategie aus dem Jahr 2000, die die Europäische Union zum „wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt“ (Europäischer Rat(->) 2000) machen soll. EQR und ECVET sollen Bildungsabschlüsse in Europa vergleichbar und transparent machen und so unter anderem die Mobilität von Arbeitskräften in Europa erhöhen. Zudem soll lebenslanges Lernen gefördert werden, wobei die EU-Kommission darunter vermehrt den Erwerb von Fähigkeiten für das Arbeitsleben versteht. EQR und ECVET werden in den nächsten Jahren die Bewertung von Bildungsabschlüssen verändern, haben Auswirkungen auf Bildungsabschlüsse und stellen besonders das deutsche System der dualen Berufsausbildung vor große Herausforderungen.
Im folgenden möchte ich aufzeigen, was hinter EQR und ECVET steckt, welche Auswirkungen sie für das Bildungs- und Ausbildungssystem mit sich bringen, wie linke, radikal-demokratische und emanzipatorische Kritik den Prozess ihrer Umsetzung begleiten kann und welche emanzipatorischen Alternativen denkbar wären. Um die Auswirkungen auf das deutsche Berufsbildungssystem besser nachvollziehen zu können, möchte ich dieses kurz in seinen wesentlichen Punkten vorstellen.





